Kita - Natur Kinderladen Pinocchio
Kita - Natur Kinderladen Pinocchio

Konzept für die Kita Naturkinderladen „Pinocchio“

 

1. Rahmenbedingungen 

Der Naturkinderladen „Pinocchio“ wurde am 1. November 1991 von dem Erzieherehepaar Susanne und Stefan Orth eröffnet. Der Kinderladen betreut als Tageseinrichtung eine altersgemischte Gruppe mit Kindern ab 3 Jahren bis zur Einschulung. Insgesamt verfügt der Kinderladen über 18 bis 22 Plätze. Die Öffnungszeiten: Montag bis freitags von 8:00 - 14:00 Uhr. Die Einrichtungen schließt für 4 Wochen im Jahr. 

Der Kinderladen „Pinocchio“ befindet sich im Stadtteil Klein-Borstel und ist in einem villenähnlichen Gebäude am Alstertal untergebracht. Die Einrichtung verfügt auf ihrem Grundstück über einen eigenen Garten, der mit Spielgeräten ausgestattet ist. Der Kinderladen ist bequem mit der S-Bahn (Linie S1, Station Kornweg) zu erreichen. In der Einrichtung werden vorwiegend Kinder aus dem benachbarten Wohnumfeld sowie den angrenzenden Stadtteilen betreut. Der Anteil der Mädchen und Jungen steht in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander, ebenso die Alterszusammensetzung. 

 

Das hier vorgestellte Konzept besteht in seinen wesentlichen Elementen seit 1991. Es hat sich in dieser Form bewährt und dient als inhaltliche und organisatorische Basis für die teamorientierte Zusammenarbeit der pädagogischen Mitarbeiter/innen und Eltern. Es erfasst zudem die Arbeit der Einrichtung als Ganzes und ermöglicht es, die Einrichtung als Einheit auch gegenüber Außenstehenden darzustellen und zu vertreten. 

 

In unserer Arbeit hat sich immer deutlicher gezeigt, dass das Aufwachsen kleiner Kinder im großstädtischen Umfeld wesentlich einem gemeinsamen Bedingungsrahmen unterworfen ist, der allgemein als Modernisierungsprozess beschrieben wird. Wir müssen in diesem Zusammenhang Modernisierung konkreter als Erfahrungsbeschleunigung verstehen, deren Dynamik Druck auf Kinder, Eltern und Erzieher ausübt. Wir konstatieren vor diesem Hintergrund bei allen beteiligten Parteien oftmals eine eigentümliche Unruhe, häufig Anspannung, Gereiztheit sowie Unsicherheit im Umgang mit anderen. 

 

Wir versuchen dieser Dynamik mit der gezielten Ausrichtung unserer Erziehungs- und Betreuungsarbeit auf Begegnungen, Entdeckung des Natürlichen, der Natur und dem besonderen Wert des darin erkennbaren Schöpferischen im Positiven zu entsprechen. 

 

Wir sind mit den Kindern viel draußen im Freien an der frischen Luft; häufig im Alstertal unterwegs, wir fahren aufs Land, wir besuchen regelmäßig das „Umweltzentrum Karlshöhe“ und üben täglich die Sinne der Kinder – Fühlen, Hören, Riechen, Schmecken, Sehen, Tiefensensibilität, Bewegungsempfindung und Gleichgewichtsregulation – durch Begegnung vor Ort. Wir wundern uns, über die entdeckten, zuvor unbekannten kleinen Welten, über die wir sonst so ahnungslos hinweggehen. Wir erleben die Jahreszeiten, wir entdecken Werden und Vergehen… 

 

2. Vorbemerkung zum Verständnis des Kinderladens

Als Folge sozioökonomischer Bedingungen erfüllen Kinderläden genauso wie KTHs in unserer Gesellschaft vor allem zwei Funktionen:

  • die Versorgung von Kindern tagsüber, wenn Eltern oder Elternteile berufstätig sind,
  • die Erziehung von Kindern, die ihm Rahmen der Veränderung der Lebenswelt Familie und der gesteigerten Ansprüche der Umwelt, auch im Bildungs- und Kulturbereich, nicht mehr allein in der Familie geleistet wird, bzw. geleistet werden kann.

 

Kindheit heute

Wir haben die Kindheit nach innen verlegt. Die Konsequenzen sind weitreichend und verlangen Aufmerksamkeit: 

  • Es gibt immer mehr Kinder mit körperlichen Entwicklungsstörungen, Haltungsschäden oder -schwächen, Übergewicht, einem schwachen Herz-Kreislauf-System, muskulären Schwächen und Koordinationsstörungen bei Bewegungsabläufen. Vor allem der Gleichgewichtssinn ist betroffen.
  • Die Zahl der Unfälle steigt; bei genauer Betrachtung ist erkennbar, dass diese Erkrankungen und Unfälle auf Bewegungsmangel zurückzuführen sind oder die Ursachen darin liegen, dass viele Kinder den Bewegungsanforderungen in alltäglichen Situationen nicht mehr gewachsen sind.
  • Es wird schwieriger, Sinnzusammenhänge zu erkennen (High-Tech-Geräte seien nur als Beispiel genannt).
  •  Eigene Gestaltungsmöglichkeiten reduzieren sich: voll möblierte Kinderzimmer und Kindergartenräume schaffen Platzmangel und stärken Gestaltungsvorgaben.
  • Die Konsumorientiertheit führt zu Frustration- und Armutserlebnissen bei Kindern und Eltern („Ich trag keine Markenjeans“ versus „Ich kann meinem Kind nicht alles bieten“).
  • Fehlende Spielgefährten und Geschwister, zeitlich überlastete Eltern sowie eine „Verinselung“ (Parzellierung) der Lebensbereiche reduzieren spontane Spielmöglichkeiten und -anlässe.
  • Medienfüllen diese Lücken – mit den bekannten Folgen:

Die Tendenz der Zeit geht in den Regeleinrichtungen dahin, dass die Kinder allgemein schwieriger werden, Verhaltensauffälligkeiten zunehmen und noch dazu die Freizeitgestaltung zunehmend von elektrischen Geräten bestimmt wird.

Deshalb gilt es zu begreifen: Wir werden in eine schöne, neue Welt hineingeboren, die begrenzt ist und gefährdet. Berührungen und Begegnungen mit dem Natürlichen und Schöpferischen sind seit einigen Jahren „IN“, vollziehen sich aber meist Konsumentenhaft und mit Rasanz. 

 

Selbstverständnis

Der Naturkinderladen „Pinocchio“ versteht sich als Einrichtung mit einem gezielten inhaltich-pädagogischen Anspruch, der über die Betreuung und Beschäftigung der Kinder hinausgeht. Wir setzten uns zum Ziel, den an uns gesetzten Bildungsauftrag wahrzunehmen und umzusetzen. Unsere pädagogische Grundhaltung ist eine ressourcenorientierte, die die Stärken der Kinder erkennt und an diesen anknüpft. 

Dieser Anspruch stützt sich auf Grundprinzipien, die sich mit 

  • der Sichtweise des Kindes,
  • der Kritik an sozioökonomisch bedingten Norm- und Wertvorstellungen, 
  • dem systemorientierten Denkansatz,
  • den Aspekten der Kommunikationstheorie sowie
  • dem ökologischen Ansatz befassen.

 

 

Zur Sichtweise des Kindes 

Kindheit ist keine Übergangsphase auf dem Weg zum Erwachsensein, sondern eine eigenständige Lebensphase, die ein ganzes Leben lang wirkt. Die Grundstrukturen werden geprägt (Charakter = das tief Ein-Gefurchte).

Das Kind soll im Kinderladen in seiner Persönlichkeitsentwicklung gefördert werden, wobei ihm ein möglichst hohes Maß an individuellem Freiraum zugestanden wird. Normen der Erwachsenenwelt sind nicht automatisch Ziele der pädagogischen Arbeit. Das Kind hat einen eigenen Anspruch auf Entdeckung, Beistand und Förderung seiner Sinne. Sinneswahrnehmung braucht die gesamte Bandbreite des Lebendigen, um zur Entfaltung zu kommen. 

 

Zur Kritik an sozioökonomisch bedingten Norm- und Wertvorstellungen

Wir schätzen Konkurrenzverhalten und Konsumorientierung nicht unbedingt als positive und erstrebenswerte Verhaltensmuster ein, auch wenn diese in unsere Gesellschaft an Bedeutung zunehmen. Wir wollen auch Haltungen entwickeln helfen, die Achtung und Wertschätzung gegenüber der Natur und damit unserer Wesens-Natur beinhalten und nicht nur deren Verbrauch.

Der Naturkinderladen bietet in diesem Sinne den Kindern alternative Lern- und Erfahrungsräume, ohne Leistungsdruck und Repressalien, dafür mit dem Lernziel pro-soziales Verhalten in der modernisierten Um- und Mitwelt.

 

Zum systemorientierten Denkansatz 

Der Kinderladen ist nur ein Teil der Lebenswelt des Kindes. Das Kind muss deshalb im Zusammenhang mit den Beziehungssystemen gesehen werden, in denen es lebt (vor allem Familie, Stadtteil, Freundeskreis etc.). Es bildet selbst ein Beziehungssystem, wird von anderen beeinflusst und kann umgekehrt auf diese wieder Einfluss nehmen.  

Unser Ziel ist es Diversität auf allen Ebenen zu thematisieren und eine wertschätzende und offene Haltung gegenüber Menschen unterschiedlichen Kulturen, Lebensweisen, Geschlechterrollen, sozialen Status, Familienkonstellationen etc. vorzuleben. Anhand verschiedener Medien wird das Thema konkret im Kitaalltag eingebracht, dabei orientieren wir uns an den verschiedenen Bereichen der Hamburger Bildungsempfehlung. Im Folgenden einige beispielhafte Projekte und Angebote:

 

  • Gerichte aus verschiedenen Ländern kochen
  •  Musik und Tänze aus unterschiedlichen Kulturen und Sprachen kennenlernen
  • Rollenspiele
  • Schriftzeichen aus anderen Sprachen
  • Zählen und Singen in anderen Sprachen
  • Ausflüge zum Beispiel ins Völkerkundemuseum und in verschiedene religiöse Einrichtungen 

 

Wir reflektieren unsere Haltung gegenüber Vorurteilen, Diskriminierung, Sexismus, Benachteiligung, Genderthematik usw. und hinterfragen diese kritisch und gemeinsam im Team. 

 

Zum besseren Verständnis des Kindes und zur Förderung seiner Entwicklung arbeitet der Naturkinderladen „Pinocchio“ mit Eltern und anderen relevanten Institutionen zusammen. Das Kind soll nicht isoliert im Kinderladen betreut werden, sondern unter Einbeziehung seines Umfeldes – Eltern, Freunde, Stadtteil, Kultur und Natur – Welt erfahren. Deshalb gehören zur pädagogischen Arbeit des Kinderladens besonders Unternehmungen (sprichwörtlich) „im Freien“ und Außenkontakte/-aktivitäten.

 

Zur Kommunikation

Im Kinderladen finden ständig zwischenmenschliche Interaktionen statt. Die Kommunikationsfähigkeit des Kindes ist dabei von großer Bedeutung, um sich in der Einrichtung zurechtzufinden, eigene Bedürfnisse zu entwickeln und diese in Einklang mit den Bedürfnissen anderer bringen zu können. Die kleine Welt des Kinderladens bietet Geborgenheit, Schutz und Unterstützung, ist aber schon „Außenwelt“ gegenüber dem Elternhaus und der Familie. Zugleich soll er mithelfen, die nächsten Schritte in eine noch größere Teilwelt vorzubereiten, die Schulwelt, den Beruf. Wir haben Anteil an der „Verinselung“, die ja auch nützlich sein kann, um zu lernen, sich Schritt für Schritt weiter in die Welt zu bewegen. 

 

Und doch: Alles ist eine Welt…

Was aber, wenn wir „in-einer-Welt-zu-leben“ nicht wahrnehmen lernen, weil die Erfahrungsbeschleunigung unseres Lebensalltags dafür keine hinreichende Wahrnehmungsgelegenheiten eröffnet? Wahrnehmung und Kommunikation bedingen einander. Flexibilität, Termineinhaltung, Leistungsstärke im Elternhaus, Schule und Beruf sind täglich einzuübende Anforderungen, deren perfekte Beherrschung und reibungsfreie Absolvierung oft genug „Stress“ macht, um – ironischerweise – „Stress“ zu vermeiden. Die Fähigkeit des Kindes also zur Kommunikation ist ein wesentliches Lernziel der pädagogischen Arbeit. Kommunikation über die Kommunikation ist dabei unabdingbar.

 

Zum ökologischen Ansatz 

Die Fähigkeit zur Wahrnehmung unserer Verletzlichkeiten und unserer Selbstheilungskräfte, der Lebensgefahren und der ihnen entgegenwirkenden schöpferischen Stärken, braucht andere, „alternative“ Möglichkeiten, die wir im naturnahen Beziehungsfeld vermitteln wollen. 

Ein Beispiel: Wo Kinder sind, geht es meistens lebhaft zu. Im Erwachsenenleben sind wir gewöhnt an Lärm. Natur bietet seltsame, allmählich unterscheidbare Geräusche, wenn wir lauschen, vor allem, Stille; unbekanntes Terrain…

In der Natur entdecken wir Unbekanntes, wenn wir uns ruhig, langsam und verhalten bewegen. Wer „schnell“ ist, sieht nicht, was rechts und links, über und unter ihm vorhanden ist. Die Sinne sind auf Zwecke gerichtet: schnell, elegant, effektiv, das vorgegebene Ziel erreichen, danach auf ein neues Ziel aus sein. Ständiges Training ist geboten.

Die „Entdeckung der Langsamkeit“ schärft stattdessen die Aufmerksamkeit für Genauigkeit, für Vielfältigkeit, für vertieftes Verstehen des Lebenszusammenhangs, für Zeitgefühl, Evolution und Endlichkeit.
Dieses pädagogische Vorgehen betrifft alle möglichen zwischenmenschlichen Kontakte innerhalb der Arbeit des Naturkinderladen „Pinocchio“ zwischen Pädagogen, Eltern, Kindern und anderen. Die Pädagogen fungieren dabei als „Modelle“, wobei sie in diesen Lernprozess noch immer einbezogen sind.

 

3. Pädagogischer Teil

Pädagogische Grundannahmen

Der Naturkinderladen „Pinocchio“ hat die Aufgabe, das Kind in seiner Entwicklung zu begleiten und in seiner eigenständigen Auseinandersetzung mit der Umwelt zu fördern. Jedes Kind hat nur ein ihm gehörendes psychisches Muster, welches wir als Pädagogen kennenlernen und vorbehaltlos akzeptieren. Das Kind ist kein zu erziehendes Objekt, sondern ein nach Erfahrungen strebendes Subjekt, d.h. jedes Kind bestimmt, welche Art von Fähigkeiten es erwirbt und welche Gefühle und Reaktionen es begleiten. Wir geben dem Kind einen individuellen Freiraum. 

 

Erziehungsziele und pädagogische Praxis

Um den Prozess der Wechselwirkung von Zielen und Methoden darzustellen, haben wir Ziele und Methoden zusammengefasst. Es erfolgt keine Unterteilung von Methoden und Verfahren, sondern eine Zusammenfassung unter dem Begriff „pädagogische Praxis“.

 

Erziehungsziele

Durch die pädagogische Arbeit im Naturkinderladen „Pinocchio“ soll das Kind individuelle, soziale Fähigkeiten erwerben und seine natürlichen Anlagen entfalten:

  • Ich-Kompetenzen, Entwicklung seines Selbstwertgefühls und eigener Bedürfnisse und Interessen.
  • Sozialkompetenz, d.h. Entwicklung von pro-sozialem Verhalten und Solidarität, Kommunikationsfähigkeiten und Auseinandersetzungen mit den Bedürfnissen anderer.
  • Sprachkompetenz, wir beobachten und fördern die Entwicklung der vier Sprachebenen (phonisch, morphologisch-syntaktisch, semantisch und pragmatisch) und dokumentieren die Sprachentwicklung.

 

Förderung durch:

  • Gesprächssituationen initiieren (z.B. im Morgenkreis)
  • Lieder, Sprüche und Reime üben und erlernen
  • Vorlesen und Bilderbuchbetrachtungen
  • Rollenspiele und Theateraufführungen
  • korrektives Feedback
  • bewusste Verwendung von Sprache (altersgemäßes Sprechen, Wortschatzerweiterung)
  • erste Auseinandersetzung mit der Schriftsprache (Zuordnung Laut und Buchstabe); Bei Auffälligkeiten führen wir Gespräche mit den Eltern und empfehlen gegebenenfalls eine Vorstellung in einer Fachinstitution (Kinderarzt, Logopädie).
  • Sachkompetenz, d.h. Entwicklung motorischer und technischer Fähigkeiten, Entwicklung von Kritikfähigkeit und Problembewusstsein sowie theoretische und praktische Auseinandersetzung mit der Umwelt.
  • Lernmethodische Kompetenz, d.h. ein Grundverständnis zu entwickeln sich selbst Wissen anzueignen und die Fähigkeit zu erlernen was und wie man lernt. Von und mit anderen zu lernen, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen.
  • Naturkompetenz, d.h. Entwicklung eines Bewusstseins für den Wert allerstofflichen und schöpferischen Existenz, Achtung gewinnen für das Lebendige an sich, für seine Verletzlichkeiten und Möglichkeiten: „Die Sinne schärfen für alles, was lebet“.

 

Akzeptanz

Das Kind soll lernen, sich zu akzeptieren. So wird es fähig, Bedürfnisse und Interessen anderer wahrzunehmen und das eigene Verhalten darauf abzustimmen. In dem Maße, in dem dieses gelingt, wird es auch mit seiner natürlichen und kulturellen Umwelt in Kontakt treten.

 

Spielen und Lernen

Zur Entwicklung von Ich-, Sozial-, Sach-, lernmethodischen und Naturkompetenzen ist das kindliche Spiel von besonderer Bedeutung. Das individuelle und das gemeinsame Spielen fördern motorische Abläufe, Phantasie und Kreativität. Im sozialen Spiel, wie z.B. Rollen- und Regelspiel, werden soziale Verhaltensweisen entwickelt, kulturelle Normen erfahren, zudem stellt es ein Medium für den Spracherwerb dar. Die gesamte spielerische Aktivität des Kindes ist ein Lernprozess, Spielen und Lernen stehen nicht im Gegensatz. Das natürliche Neugierbedürfnis des Kindes, Dinge zu entdecken, zu erforschen und damit zu experimentieren, ist die Voraussetzung des Lernprozesses. Zum Lernen gehört es auch, Werkzeug zu benutzen, sich zu verkleiden oder einen Streit ohne Anwendung von Gewalt zu lösen. Um die individuelle kindliche Entwicklung  dokumentieren zu können, legen wir zu Beginn der Kita – Zeit gemeinsam mit dem Kind ein Portfolio an, dieses ist für das Kind und die Eltern jederzeit zugänglich.

Die Hamburger Bildungsempfehlung fließt in allen Themenbereichen in unseren Kinderladenalltag mit ein: 

  • Körper, Bewegung und Gesundheit
  • Soziale und Kulturelle Umwelt
  • Kommunikation: Sprache, Schriftkultur und Medien
  • Bildnerisches Gestalten
  • Musik
  • Mathematik
  • Natur – Umwelt – Technik
  • Als Dokumentationsform legen wir für jedes Kind am Tag der Aufnahme ein Portfolio an. Dieses Portfolio ist für Kinder und Eltern jederzeit zugänglich.

 

Einige Beispiele aus unserem Handlungsalltag sollen veranschaulichen, was wir tun, und wie wir es tun, um die gesetzten Ziele zu verwirklichen:

  • Exkursionen ins Alstertal
  • Beobachten von Tieren z.B. Fischreihern, Eisvögeln, Rehen 
  • Pflanzen und Bäume kennenlernen, begreifen, bestimmen, vergleichen
  • Einrichten und beobachten verschiedener Terrarien und eines Aquariums
  • Pflegen und versorgen unserer Kaninchen
  • Anlegen und ernten der Gemüse- und Blumenbeete
  • Frösche und Schmetterlinge züchten
  • Experimentieren mit den Elementen 
  • Mitbestimmten der Kinder bei situationsabhängigen Angeboten und themenbezogener Projektarbeit z.B. gesunde Ernährung / Körper / Gesundheit, fremde Länder und Kulturen
  • Malen und Basteln mit verschiedenen Materialien z.B. Wachsblöcken, Aquarellfarben, Kreiden, Fingerfarben, Naturmaterialien (z.B. Steine, Blätter, Erdfarben etc.)
  • Arbeiten mit Ton, Pappmaché, Gips etc.
  • Holzwerken z.B. Nistkästen, Insektenhotel bauen etc. (darunter auch: TippiToppis, Baumhäuser. Umweltpreis 2019 bei Holz Bewegt: www.holzbewegt.info)
  • Theaterspiele und Aufführungen
  • Geschichten erfinden
  • Laufen, klettern, sich bewegen auf Wiesen, im Wald und auf Spielplätzen
  • Schlittschuhlaufen und rodeln
  • Turnen in der Sporthalle im UHC (in den Wintermonaten) 
  • Gemeinsames Essen und gesunde Ernährung: Wir beziehen unser Mittagessen von einer Kindervollwertküche (www.porschke-menuemanufaktur.de)  
  • Zähneputzen nach den Mahlzeiten 
  • Besuch beim Zahnarzt
  • Apfelsaftpressen mit unserer Saftpresse
  • Biobauernhöfe besuchen
  • Zum Wochenmarkt gehen und einkaufen
  • Musizieren mit den Kindern mit einem Musikpädagogen
  • Regelmäßige Ausflüge z.B. in die Bücherhalle, in versch. Museen, ins Theater
  • Einmal jährlich eine dreitägige Kinderreise ins Wendland
  • Div. Kinder- und Elternfeste organisieren z.B. Sommerfest, Apfelfest, Laternenfest

 

Die Kindergruppe

Die Kindergruppe bewirkt, dass die Kinder mit- und voneinander lernen. Der Schuleintritt wird ihnen durch den, von einer Fachkraft geleiteten, Vorschulunterricht erleichtert. Das Leben in der Gruppe bringt natürlich auch eine Reihe von Problemen mit sich: die Kinder können hierbei lernen, sich gegenseitig zu akzeptieren und das Gefühl der Gemeinsamkeit und Solidarität zu erfahren. Die Vorschulkinder können anspruchsvollere Aufgaben und mehr Verantwortung für sich und andere übernehmen z.B. selbständig die Kaninchen versorgen, den Jüngeren helfen etc.

Im wöchentlich stattfindenden Vorschulunterricht werden unterschiedliche Bereiche aus der Hamburger Bildungsempfehlung gezielt gefördert: 

  • Gestalten einer Vorschulmappe
  •  Freies Sprechen, Zuhören und Verstehen
  • Kommunizieren in Konfliktsituationen 
  • Experimenteller Umgang mit Zahlen, Mengen, Formen und Buchstaben
  • Feinmotorik
  • Sach- und lernmethodische Kompetenzen erwerben
  • Eigene Stärken erkennen und gezielt einsetzen

Es finden abgestimmte Projekte für die Vorschulkinder statt, um den Übergang zur Schule zu gestalten:

  • über Schule sprechen anhand von verschiedenen Medien 
  • Schule und Schulweg kennenlernen
  • Verkehrserziehung durch einen Verkehrspolizisten 
  • Am Unterricht einer 1. Klasse teilnehmen 
  • Besuch der Einschulungsfeier der ehemaligen Kita Kinder
  • ehemalige Kitakinder einladen und von der Schule erzählen lassen
  • Ausblick auf ein Wiedersehen schaffen 

 

Wir haben zusätzlich einige Rituale etabliert, um den Abschied zu gestalten:

  • Abschiedsbesuch des Zuhauses der Vorschulkinder (mit der ganzen Kitagruppe)
  • Theateraufführung für die Eltern und Geschwister im Rahmen eines Sommerfests und eine Übergabe von selbstgestalteten und personalisierten Schultüten 

 

Wie kooperieren mit der Albert-Schweitzer-Schule und treffen uns jährlich für einen Austausch mit den Kitas des Stadtteils und den Lehrern und Koordinatoren der Schule. 

 

Rolle der Pädagogen

Pädagogen sollen dem Kind die Freiheiten geben, um Erfahrungen zu machen, die vom Kind selbst bestimmt werden. Die Pädagogen sollen beobachten aber so wenig wie möglich eingreifen, in der konkreten Situation jedoch im Notfall Verhaltensalternativen aufzeigen. Pädagogen sind Mitglieder der Gruppe und müssen den Gruppenprozess beobachten, Probleme des einzelnen Kindes und der Gesamtgruppe analysieren und dokumentieren.

 

Tagesablauf

Der Tagesablauf ist im Wesentlichen an Interessen, Bedürfnissen und Wünschen der Kinder orientiert. Eine Ausnahme bilden die Mahlzeiten, die gemeinsam eingenommen werden. Die Kinder bestimmten Aktivitäts- und Ruhephasen, so dass Freispiel und Angebot gleichrangig sind und gegebenenfalls gleichzeitig für verschiedene Kleingruppen von Kindern ablaufen. Die Planung der Aktivitäten ergibt sich aus der jeweiligen Situation der Gruppe und wird flexibel gestaltet. Feste Angebote, wie z.B. Musik (einmal pro Woche) und Vorschulunterricht schaffen Nachhaltigkeit und geben Orientierung. Durch gemeinsam geplante Unternehmungen lernen die Kinder vorauszuplanen und verbindliche Absprachen zu treffen.

 

 

4. Organisation und Aufgabenverteilung

a. Aufgabenbereiche der Leitung

  • Die Leitung kümmert sich um den Publikumsverkehr, führt Gespräche für Neuanmeldungen und ist für Eltern, Mitarbeiter/innen sowie Praktikant/innen bei inhaltlichen oder organisatorischen Anliegen zu sprechen.
  • Sie erledigt verwaltungstechnische Aufgaben und hält Verbindung zu den Behörden. 
  • Sie ist verantwortlich für die Bereitstellung der notwendigen bzw. möglichen finanziellen Mittel.
  • Sie beschafft Informationen über rechtliche Fragen, wie die Aufsichtspflicht, Versicherung etc. und gibt diese an die Mitarbeiter/innen und ggfls. Eltern weiter.
  • Sie kümmert sich um den gesamten Einkauf und führt Bedarfsermittlungen für Ausstattungsmittel durch.
  • Sie bereitet die Themen für die Dienstbesprechungen vor. 
  • Sie ist zuständig für die Anleitung und Betreuung der Hochschulpraktikanten und hält Kontakt zur Fachhochschule.
  • Gemeinsam mit den Mitarbeiter/innen ist sie zuständig für die Anleitung der Fachschule für Sozialpädagogik und der Schüler/innen der Berufsfachschule für Sozialpädagogische Assistenz. 
  • Sie ist verantwortlich für die Beobachtung und Dokumentation von Bildungs- und Entwicklungsprozessen.
  • In der verbleibenden Zeit obliegt ihr ebenfalls die Betreuung der Gruppe.

b. Aufgabenbereiche der Mitarbeiter/innen

Die Verantwortung für die Gruppe (einschließlich der pädagogischen Arbeit) liegt mit bei den Gruppenpädagogen. 

Nachfolgende Aufgaben werden von allen Mitarbeitern wahrgenommen:

  • Beobachtung und Dokumentation von Bildungs- und Entwicklungsprozessen 
  • Anleitung der Praktikanten (regelmäßige Anleitungsgespräche), Kontakthaltung zur FSP
  • Verantwortung für den Garten (Spielgeräte, Pflanzen etc.)
  • Essensbestellung (in Absprache mit den Kindern)
  • Pflege der Kaninchen und des Aquariums 

 

c. Team -/ Dienstbesprechungen

  • Die Besprechungen finden einmal im Monat nachmittags statt.
  • Folgende Themen müssen in den Besprechungen enthalten sein:
    • Organisation (Aufgabenverteilung und deren Erledigungen, Finanzbereich, Anschaffungen, Planungen von Aktivitäten, Rechtsfragen, Termine für Elternabende, Konzeptentwicklung, Evaluation etc.)
    • Pädagogische Themen (Auseinandersetzung mit der Gruppenstruktur und 

Gruppendynamik, den Bildungs- und Entwicklungsprozessen einzelner Kinder, Vorgespräche für Elterngespräche, Themen für Elternabende etc.)

  • Programmgestaltung (Vorhaben mit Kindern, ggfls. mit Eltern, Ausflüge, Reisen etc.) 

 

5. Weitere Schwerpunkte

Eingewöhnung

Zu Beginn der Kila-Zeit findet für die Eltern ein Kennenlern- und Informationsgespräch statt. Die Kinder werden zum Schnupperbesuch eingeladen. Die Eingewöhnungszeit gestalten wir in Anlehnung an das Berliner Eingewöhnungsmodell. Die Eingewöhnung findet nach dem Bedarf der Kinder und der Lebenssituationen der Eltern statt. Das Kind und die Eltern haben dadurch die Möglichkeit, die neue Umgebung und die MitarbeiterInnen kennen zu lernen. 

 

Elternarbeit

Der Kinderladen bemüht sich um eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Eltern. Dazu gehört die transparente Arbeit mit den Kindern (Organisation, pädagogische Inhalte). 

Elternarbeit findet in den folgenden Bereichen statt:

  • Einzelgespräche (Informationen über den Entwicklungsstand des Kindes, besondere Interessen und Fähigkeiten, ggfls. eine Empfehlung für Maßnahmen zur Förderung).
  • Elternabende, 2 – 4 pro Jahr (eine Teilnahme aller Eltern wird erwartet). 
  • Tägliche Tür und Angelgespräche.
  • Unternehmungen gemeinsam mit den Eltern (wie z.B. Feste und Ausflüge).
  • Für interessierte Eltern: Hospitation im Kinderladen, Begleitung bei Ausflügen, Unterstützung bei behördlichen Auseinandersetzungen etc.

 

Einzelfallarbeit

Wenn Kinder durch problematische Verhaltensweisen auffallen, kann es nicht die Aufgabe vom Kinderladen sein, einzeltherapeutische Hilfen zu leisten. Es muss jedoch auf solche Kinder in der Einrichtung eingegangen werden, zumal die Chance besteht, innerhalb der Gruppenarbeit Probleme aufzufangen und dem Kind einen späteren Leidensweg zu ersparen. Um Abweichungen festzustellen und im Zusammenhang angehen zu können, sind folgende Voraussetzungen notwendig:

  • Weiterentwicklung der Fachkenntnisse pädagogischer und psychologischer Art bei Pädagogen (Fortbildung)
  • Möglichkeiten des Austausches und der Reflexion unter den Mitarbeiter/innen (Teamkonferenzen)
  • Elternarbeit

 

Außenkontakte

Der Naturkinderladen verschließt sich nicht nach außen. Er hält kontinuierlich Kontakt zu anderen Institutionen (wie z.B. mit der Kita „die Klein Borstler“, Schulen, Behörden, Beratungsstellen etc). Regelmäßig besuchen wir auch das angrenzende Alten- und Pflegeheim, singen dort, spielen vor und erleben die Begegnungen mit dem Altwerden. Wir nehmen am Tannenbaumschmücken im „Dorf“ teil, welches durch den Heimatverein Klein Borstel organisiert wird. 

 

6. Schutz vor Kindeswohlgefährdung 

  • Unser Einrichtungsbezogens Schutzkonzept liegt im Kinderladen aus und kann dort eingesehen oder ausgehändigt werden. 

 

7. Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherungsverfahren 

  • Regelmäßige Reflexion der Arbeit in Teambesprechungen und Teilnahme an Fortbildungen für alle Mitarbeiter/innen.
  • Wir evaluieren uns intern und streben eine externe Evaluation an.
  • Wir sind Mitglied des Sozial – und Alternativen Wohlfahrtsverband SOAL. 

 

8. Schlussbemerkung 

Dieses Konzept ist für die Mitarbeiter/innen, Praktikant/innen und Eltern vom Kita Naturkinderladen Pinocchio bestimmt, deren Aufgabe es ist, sich weiter mit diesem auseinanderzusetzen. 

 

 

Hamburg, den 09.01.2022

 

Susanne Orth              Stefan Orth 

Kontakt

Kita - Natur Kinderladen Pinocchio

Wellingsbütteler Landstr.223

22337 Hamburg

 

Telefon + Fax:

+49 40 5000671

 

Mail:natur-kila-pinocchio@hotmail.de

 

Öffnungszeiten

Montag-Freitag

8:00 - 14:00 Uhr

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